WordPress, Joomla, TYPO3 & Co.: Welches CMS passt zu deinem Projekt?
Ein Content-Management-System, kurz CMS, ist die Software hinter vielen Websites: Du pflegst Texte und Bilder im Browser, das System baut daraus die Seiten. Welches passt, hängt weniger von der Beliebtheit ab als davon, wer die Seite in drei Jahren noch betreut.
Was ein CMS dir abnimmt
Ohne CMS liegt jede Seite als eigene Datei vor, und jede Änderung erfordert HTML-Kenntnisse. Ein CMS trennt Inhalt und Gestaltung: Ein Vorlagenwerk, oft Theme oder Template genannt, sorgt für das Aussehen, Menüs entstehen von selbst, und mehrere Personen können mit eigenen Zugängen Inhalte pflegen. Dafür bekommst du etwas, das eine einfache Seite nicht hat: Software, die aktuell gehalten werden muss. Diesen Preis solltest du kennen, bevor du dich entscheidest.
Die bekanntesten Systeme im Überblick
Die folgenden Systeme sind quelloffen, laufen üblicherweise auf einem normalen Webhosting mit PHP und einer Datenbank und haben jeweils eine große Gemeinschaft. Einordnungen wie „einfach“ oder „mächtig“ sind allgemeine Erfahrungswerte, keine Messungen.
| System | Stärken | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| WordPress | Sehr große Auswahl an Themes und Erweiterungen, viel Lernmaterial, leicht Hilfe zu finden | Viele Erweiterungen bedeuten viele Update-Stellen. Qualität der Erweiterungen schwankt stark. |
| Joomla | Flexible Inhaltsstruktur und Benutzerrechte schon im Kern, mehrsprachige Seiten möglich | Etwas mehr Einarbeitung, kleineres Angebot an Vorlagen als bei WordPress. |
| TYPO3 | Für große, redaktionell aufwendige Auftritte gebaut, feine Rechteverwaltung, in Deutschland verbreitet | Hoher Einrichtungsaufwand, meist nur mit fachkundiger Betreuung sinnvoll. |
| Contao | Aufgeräumt und für kleinere bis mittlere Auftritte geeignet, besonders im deutschsprachigen Raum verbreitet | Kleinere Gemeinschaft, weniger fertige Vorlagen, Anpassungen oft Fachsache. |
| Drupal | Sehr flexibel bei komplexen Inhaltsstrukturen | Hohe Einstiegshürde. Für einfache Vereinsseiten meist überdimensioniert. |
Die Entscheidung in fünf Fragen
- Wer pflegt die Seite langfristig? Ehrenamtliche wechseln, Betriebe haben wenig Zeit. Ein System, das eine Person allein versteht, ist ein Risiko. Prüfe, ob es Dokumentation und Menschen in deiner Umgebung gibt, die es kennen.
- Wie groß wird die Seite? Zehn bis dreißig Seiten mit Terminen und Neuigkeiten brauchen kein Konzernsystem. Hunderte Seiten mit mehreren Redaktionsrollen schon eher.
- Wie oft ändert sich etwas? Selten geänderte Auftritte lassen sich auch ohne CMS oder mit einem schlanken System betreiben. Regelmäßige Meldungen und Termine sprechen für ein vollwertiges.
- Was muss die Seite können? Terminkalender, Mitgliederbereich, Formulare, mehrere Sprachen, Onlineshop? Prüfe für jede Funktion, ob sie im Kern steckt oder eine Erweiterung braucht, und wer diese pflegt.
- Welches Budget und welche Betreuung gibt es? Die Software ist meist kostenlos, die Arbeit drumherum nicht: Einrichtung, Updates, Sicherungen, Support.
Erweiterungen: die eigentliche Kostenstelle
Bei den meisten CMS entstehen Aufwand und Risiko nicht im Kern, sondern in den Zusatzmodulen. Jedes Plugin, jede Extension ist Fremdcode, der aktuell bleiben muss. Wird eine Erweiterung nicht mehr gepflegt, entsteht eine Sicherheitslücke oder eine Blockade beim nächsten Update.
- Installiere nur, was du wirklich nutzt, und entferne Ungenutztes vollständig.
- Schau, wann eine Erweiterung zuletzt aktualisiert wurde und ob sie mit deiner CMS-Version zusammenpasst.
- Lieber eine Erweiterung, die eine Aufgabe gut löst, als ein Paket mit fünfzig Funktionen, von denen du zwei brauchst.
- Notiere dir, wofür welche Erweiterung da ist. In zwei Jahren weißt du es sonst nicht mehr.
Was regelmäßige Updates und Sicherungen konkret heißen, erklärt Website-Sicherheit für kleine Seiten.
Ist ein CMS überhaupt nötig?
Nicht jede Seite braucht eines. Eine reine Visitenkarte mit Kontaktdaten, Leistungen und Öffnungszeiten, die sich alle paar Monate ändert, lässt sich als einfache HTML-Seite umsetzen. Es gibt keine Datenbank, die angegriffen werden kann, und keine Software, die veralten kann. Der Preis: Änderungen erfordern etwas Technikwissen oder jemanden, der sie einpflegt.
Website-Baukästen liegen dazwischen. Sie sind schnell eingerichtet und nehmen dir die Technik ab, machen dich aber vom Anbieter abhängig. Einen Umzug mit Inhalten und Adresse zu einem anderen System solltest du vor der Entscheidung klären, nicht erst danach.
Was bei einem Wechsel passiert
Ein CMS ist keine Ehe, aber ein Umzug kostet Zeit. Texte und Bilder lassen sich meist mitnehmen, oft aber nicht ohne Nacharbeit: Formatierungen, interne Verlinkungen und Gestaltung müssen neu aufgebaut werden. Rechne deshalb bei einem Wechsel eher in Wochen als in Stunden, und plane ihn nicht in die Zeit vor einem wichtigen Termin, etwa einem Vereinsfest oder der Saison deines Betriebs.
Wer von Anfang an sauber arbeitet, macht sich einen späteren Umzug leichter: klare Überschriften statt Formatierungstricks, sprechende Dateinamen für Bilder und eine übersichtliche Seitenstruktur. Das kostet beim Einrichten kaum Zeit und zahlt sich später aus.
Passend zum Projekt
Für die typischen Fälle bei kleinen Organisationen lassen sich einige Faustregeln ableiten:
- Vereinsseite mit Terminen und Neuigkeiten: ein gängiges, gut dokumentiertes System mit wenigen Erweiterungen. Ein Überblick zu Aufbau und Zuständigkeiten steht in Die Vereinswebsite.
- Handwerksbetrieb oder Praxis: wenige Seiten, Kontaktformular, Referenzen. Wichtiger als das System ist gute Struktur und ein Design, das auf dem Handy funktioniert.
- Größere Organisation mit mehreren Redakteuren: ein System mit Rechteverwaltung und Freigabeprozessen, in der Regel mit professioneller Betreuung.
Bevor du dich festlegst
Ein letzter Blick lohnt sich auf die Lebendigkeit des Projekts: Erscheinen regelmäßig Sicherheitsupdates, und gibt es ein aktives Forum oder eine Dokumentation, die aktuell wirkt?
Lass dich nicht von Demo-Seiten blenden. Sie zeigen das Beste, mit Beispielinhalten, die perfekt in das Layout passen. Richte stattdessen eine Testinstallation mit deinen echten Inhalten ein. Teste, wie sich ein neuer Beitrag anfühlt, ein Bild, eine Terminänderung. Wenn das für die Person, die es später tun soll, holprig ist, hilft auch die beste Funktionsliste nichts.
Prüfe außerdem, ob dein Hosting das System unterstützt. Welche Anforderungen Hosting-Pakete erfüllen sollten, steht in Webhosting auswählen.